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Handbuch Heidelberger Katechismus

John v. Fesko, Arnold Huijgen, Aleida Siller (Hg.)
Handbuch Heidelberger Katechismus
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Manuskriptabgabe

Manuskripte aus Europa werden erbeten an Prof. Dr. Ute Lotz-Heumann, ulotzh@email.arizona.edu (Postadresse: Division for Late Medieval and Reformation Studies, University of Arizona, Douglass 307, PO Box 210028, Tucson, AZ 85721-0028, USA).

Manuskripte aus Nordamerika werden erbeten an Prof. Dr. Randall C. Zachman, rzachman@nd.edu (Postadresse: 130 Malloy Hall, University of Notre Dame, Notre Dame, IN 46556, USA).

Aufsatzband

Archiv für Reformationsgeschichte – Aufsatzband
Internationale Zeitschrift zur Erforschung der Reformation und ihrer Weltwirkungen / An international journal concerned with the history of the Reformation and its significance in world affairs
Vol. 106/2015
105. Jahrgang

Erschienen: Oktober 2015
ISSN: 0003-9381
Einzelpreis: 89,00 €

Inhalt

Titelei und Impressum

Seite 1 - 4

Inhalt

Seite 5

Vom Humanismus zur Reformation

Girolamo Savonarolas Frührezeption im Deutschland des beginnenden 16. Jahrhunderts
von: Tobias Daniels

Using previously unknown sources, this article analyzes the early reception of works by Girolamo Savonarola in Germany. Among these works, Savonarola’s so-called “Prison Meditations” – written in a Florentine prison shortly before his execution – are of particular importance. Research in Reformation history has long recognized the significance of Savonarola and his writings for Reformation thought. Examinations of the reception and transmission of these writings in Germany, however, have predominantly begun with Luther. The new sources presented here – including a German eyewitness account of the famous Trial by Fire – prove that there was a lively contemporary interest in Savonarola’s story and his writings, especially in Southern Germany. This interest owed to connections between important Humanist centers like Nuremberg and Regensburg (especially with its St. Emmeram monastery), and Italy. As the sources analyzed in this article show, the image of Savonarola was varied. In contrast to the use and presentation of Italian contemporaries like Machiavelli and Guicciardini, the interest shown in Savonarola in Germany seems to have been nurtured more by religious than by political motives, and thus prefigures the later reception of Savonarola in the Reformation.

Seite 7 - 38

Zensiert und zerrissen

Alte Bücher und religiöse Differenzierung in Zürich und Biberach, 1520-1532
von: Marc Mudrak

The removal and destruction of pre-Reformation books in the Protestant cities of Upper Germany is a phenomenon that has, until now, remained largely unknown. In Zürich and Biberach these incidents occurred in the context of early Reformation distinctions in religious culture. Old texts, like many of the practices associated with them, were specific to socio-cultural forms and articulations of Catholic affiliations. Books formed the material basis of these cultural distinctions, not only through their (lost) significance, but often also through the geographical and performative revision of old practices. In addition, as space-constituting artifacts, they were reorganized and their material configuration destroyed. On this latter point, the removal and destruction of books is related and functionally analogous to the simultaneous iconoclasm.

Seite 39 - 66

Mysticism, Christianization, and Dissent

The Appropriation of Johannes Tauler in Siimon Haferitz's "Sermon on the Feast of the Three Holy Kings" (1524)
von: Vincent Evener

Die Forschung zur Beziehungsgeschichte von Mystik und Dissens in der frühen Reformation hat eine wichtige Quelle bislang weithin übersehen: den von Simon Haferitz 1524 verfassten „Sermo[n] vom Fest der heiligen drey Konig“. Dieser Text wurde nicht nur als bloße Wiederholung von Thomas Müntzers Argumentationen fehlgedeutet. Vielmehr hat man auch Haferitz’ direkte und strategische Aneignung der Predigten von Johannes Tauler übersehen. Der Beitrag versucht zu zeigen, dass Haferitz in seinem „Sermon“ die von der Wittenberger Reformation behauptete Traditionslinie zu Taulers theologischer Autorität zu unterminieren suchte. Zugleich wird gezeigt, dass Haferitz’ Aneignung der Mystik im Kontext des Strebens nach einem Ideal der Christianisierung erfolgte, das in der frühen Reformation weit verbreitet war. Anhand dieses Fallbeispiels wird deutlich, dass die Rezeption der Mystik revolutionäre Potenziale aktivierte und verstärkte, die den Zielen der Christianisierung und der Konzentration auf religiöse Kernforderungen inhärent waren. Dieser Dissens konnte allerdings unterschiedliche Formen annehmen, je nachdem wie die Reformatoren die Möglichkeiten zu einem effektiven Handeln auf Seiten der „Erlösten“ in theologischem wie praktischem Sinne einschätzten.

Seite 67 - 91

Letting English Words Stand

Thomas More, William Tyndale and the Common Expression of English Theology
von: Jan James Martin

Zu den wenigen Dingen, bei denen Thomas Morus und William Tyndale sich einig waren, zählte die Überzeugung, dass Sprache und Theologie untrennbar miteinander verbunden waren und sprachliche Fehler ernsthafte theologische Irrtümer nach sich ziehen konnten. An diesem Konsens entzündete sich ihre berühmte Debatte um Tyndales Übersetzung der griechischen Begriffe

presbuteros, ekklēsia und agapē ins Englische – und zwar als elder, congregation und love. Trotz der reichen Forschungstradition zur More-Tyndale-Debatte wurde die Stichhaltigkeit der Positionen in Bezug auf den zeitgenössischen Gebrauch von elder, congregation und love bisher nicht in den Blick genommen. Um diese Forschungslücke zu schließen, bietet der Beitrag eine detaillierte Untersuchung von Tyndales Verwendung dieser Begriffstrias im Vergleich zum Sprachgebrauch des traditionellen, englischsprachigen religiösen Schrifttums zwischen 1476 und 1526. Aus dieser komparativen Perspektive geht hervor, dass elder, congregation und love ein integraler Bestandteil des volkssprachlichen theologischen Sprachgebrauchs vor der 1525 erfolgten Publikation von Tyndales Pionierübersetzung des Neuen Testaments war. Dabei nutzte Tyndale die drei Begriffe genauso wie andere Autoren und hob sich damit keineswegs von der englischen Sprachtradition ab, wie es Morus behauptet hatte.
Seite 92 - 114

Die Rolle des Matthäusevangeliums für Martin Luthers antijüdische Äußerungen

Eine Untersuchung seiner drei großen 'Judenschriften'
von: Sören Swoboda

The Gospel of Matthew posed a problem for Jewish-Christian dialogue well into the twentieth century. With the hope of connecting issues of church history and New Testament studies, this essay asks whether and how Luther interpreted the relevant verses of Matthew and how he placed these interpretations at the service of the anti-Jewish arguments in his three main “Writings on the Jews” of 1543. The result is astounding: While Luther draws out the anti-Jewish repertoire of Matthew and thus stands firmly in the medieval and early modern tradition of Matthew exegesis, the core of his Argument is based on Old Testament texts. This poses the inevitable question of the reason for this caution. The essay therefore not only offers insights into Luther’s scriptural Interpretation but also develops theses regarding the intentions, the communication situation, and the genre of each of these three treatises.

Seite 115 - 155

"Such defiant, obstinate disobedience"

Martin Luther's Jonah and Michael Helding's Recatholization Effort in Merseburg
von: Austra Reinis

Zur Fastenzeit 1551 begann der neue Bischof der sächsischen Enklave Merseburg, Michael Helding (1506–1561), eine längere Predigtreihe über das alttestamentliche Buch Jona. Kaiser Karl V. hatte Helding mit der Aufgabe betraut, das mehrheitlich lutherische Bistum Merseburg zu rekatholisieren. Auch wenn Helding dabei eine katholische Auffassung von der Rechtfertigung durch Glauben und Werke vertrat, lässt seine ausgesprochen menschliche Porträtierung des Propheten Jona als Sünderfigur Anklänge an Martin Luthers exegetischen Traktat „Der Prophet Jona ausgelegt“ von 1526 erkennen, und zwar vermittelt durch die Predigten von Heldings früherem Kollegen, dem Mainzer Domprediger Johann Wild. Insofern ist davon auszugehen, dass Bibelexegese und Prediginhalte zwischen Reformation und Gegenreformation stärker von Kontinuitäten geprägt waren als bisher angenommen.

Seite 156 - 183

The Waldensians, Bucer, Beza, Castellio, and French-German Confessional Diplomacy 1556/7

von: Cornel Zwierlein

Der Beitrag zeigt, wie die Geschichte einer ‚Konfessions-Diplomatie‘ und die Geschichte der Verbreitung von Toleranzsemantiken sich in den Scharnierjahren zwischen dem Augsburger Religionsfrieden und dem Ausbruch der westeuropäischen Religionskriege verbanden: 1557 wurden zum ersten Mal die Formen der neuzeitlichen zwischenstaatlichen Diplomatie für die außenpolitische Kommunikation über die Religionsfrage benutzt. Die südwestdeutschen protestantischen Fürsten intervenierten zugunsten der Piemonteser Waldenser beim französischen König. Auch prominente Theologen wie Theodor Beza, Guillaume Farel und Johannes Brenz waren an der Vorbereitung der diplomatischen Intervention beteiligt. Dabei zeigt sich, als Fall einer Ironie der Geschichte, dass die Anhänger des Genfer Calvinismus in den Alpen und Beza selbst nur drei Jahre nach der Hinrichtung von Michel Servet und dem sich anschließenden Genf-Basler Streit die Argumente ihres größten Antipoden, Sebastian Castellios, benutzten: Mit seinen Argumenten konnten sie für Toleranz werben. Daran wird deutlich, wie die Spannungsfelder und Wirkkräfte transnationaler Verbindungen die Zuordnung von Argumenten und Ideen zu bestimmten Parteien und Personen gänzlich umkehren konnten. Zugleich wird klar, dass die Einführung des Gegenstandes ‚Konfessionsstreit‘ in die diplomatische zwischenstaatliche Kommunikation zu Friktionen führte. Ein Bereich, der sich seit der Genese der zwischenstaatlichen Renaissance-Diplomatie im 15. Jahrhundert gerade als weitgehend religionsfreie Kommunikationsform ausdifferenziert hatte, wird auf einmal mit der Wiedereinführung des Religiösen konfrontiert: ‚Konfessions-Diplomatie‘ war also nicht die Fortführung einer mittelalterlichen Kommunikation, in der Politik und Theologie miteinander verbunden waren, sondern sie war eine neuzeitliche Form, in der zwei an sich schon getrennte oder als trennbar erfahrene Bereiche wieder ineinandergezwungen wurden. Die Fallstudie wird durch eine Edition bislang unbekannter Texte der Waldensergeschichte ergänzt.

Seite 184 - 241

Early Modern Purgatory

Reformation Debates and Post-Tridentine Change
von: Tomás Malý

Die Fegefeuertheologie wurde in der Frühen Neuzeit um neue Dimensionen bereichert. Im Laufe des 16. Jahrhunderts wandelten sich sowohl Inhalt als auch Struktur der entsprechenden Debatten. Während in der vorherrschenden konfessionellen Polemik Detailaspekte des Fegefeuers eher ausgeblendet wurden, waren spätere Stellungnahmen deutlich elaborierter. Dem lag ein veränderter katholischer Diskurs zugrunde, der die Beschreibung der Jenseitsorte konkretisierte und zu einer Ausdifferenzierung der Quellen zum Nachweis der Existenz des Purgatoriums führte. Schrittweise wurde das Fegefeuerthema in die katholische Andachtsliteratur und in die Tradition der ars moriendi-Drucke aufgenommen und dabei mit Elementen der (ignatianischen) Spiritualität angereichert, wobei insbesondere emotionale Erfahrungen und Kontemplationen über Sünden und die damit verbundenen Qualen akzentuiert wurden. Der Grund für diesen Wandel lag in dem Versuch, die Lehre vom Fegefeuer zu popularisieren und einheitlicher in der religiösen Praxis abzubilden. Des weiteren geht es im vorliegenden Beitrag um die spezifischen Kontexte dieses Wandels in den katholischen Ländern des 17. Jahrhunders: die Frage nach dem Zusammenhang von guten Werken und Erlösung, die Reform der Bußpraxis und eine konsistentere Sündentypologie, die Einbindung der Laienbruderschaften bei der Einführung posttridentinischer Prinzipien in die religiöse Praxis sowie schließlich die fundamentale Rolle von Themen wie der Eucharistie und der Passion Christi.

Seite 242 - 272

Geneva and the Myth of the Escalade

von: Karin Maag

Im Zentrum des Beitrags steht die Frage, auf welche Weise die reformierte Stadt Genf aus dem gescheiterten Eroberungsversuch des Herzogs von Savoyen im Dezember 1602 Kapital schlug, um der Stadt und ihrer Bedeutung für das Reformiertentum erneut europaweite Aufmerksamkeit zu verschaffen. Im Zuge einer effektiven Propaganda- und Geldbeschaffungskampagne stellte Genf den heimtückischen und erfolglosen Überfall als weiteren Beleg für Gottes providentielle Fürsorge für sein gläubiges Volk dar. Auf diese Weise wuchs das Selbstbewusstsein einer Stadt, die zuvor von inneren und äußeren Krisen bedrängt worden war. Paradoxerweise bot die Beinahe-Niederlage Genfs gegen den größeren katholischen Nachbarn Raum für ein immer wieder neu erzähltes Narrativ, das in den folgenden Jahren zu einer Quelle von Kraft und Stolz werden sollte.

Seite 273 - 289

Divided by Toleration

Paradixical Effects of the 1648 Peace of Westphalia and Multiconfessionalism
von: David Mayes

Die jüngere Sozialgeschichte der Toleranz gründet auf der Idee, dass die frühneuzeitliche Kirchenspaltung in Europa Toleranzformen hervorgebracht habe, um gesellschaftliche Ordnung aufrechtzuerhalten, Koexistenz zu erleichtern und den Schein lokaler Einheit zu wahren. Anhand von Fallstudien aus der Grafschaft Hanau-Münzenberg, der Landgrafschaft Hessen-Kassel und der Reichsabtei Fulda beleuchtet der Beitrag den gegenteiligen Befund, dass Toleranz durchaus auch zum Zankapfel werden konnte, und zwar nicht zuletzt indem bestehende Formen der Toleranz zu öffentlichen und offiziellen Trennlinien vieler lokaler Gemeinschaften mutierten. Grundlage hierfür waren paradoxerweise Maßnahmen im Geiste der Toleranz und des Multikonfessionalismus, beginnend mit den Vereinbarungen des Westfälischen Friedens von 1648. Aus den hieraus resultierenden Konfliktsituationen konnten vor allem die Landesherren Kapital schlagen, um ihre Macht zu erweitern und ihre jeweils eigene Konfession zu fördern.

Seite 290 - 313

Ubique, semper, ab omnibus: Augustinus und die Reformation

Buchbesprechung / Review
von: Sundar Henny

Seite 314 - 323

Corrigendum to: Charlotte Methuen, "'And your daughters shall prophesy!'. Luther, Reforming Women and the Construction of Authority"

in: ARG 14 (2013), pp. 82-109

Seite 324 - 325